Haben Sie auch schon "ge-riestert" ?
"Muss man doch", sagen Sie? Weil die Renten nicht mehr sicher sind? Wegen dem demografischen Wandel... Ach so...
Dann sind wir schon mitten drin im Thema!
Es wird Sie interessieren, daß nach den Recherchen des Autors Albrecht Müller selbst bei niedriger Geburtenrate 2050 mehr Menschen in Deutschland leben werden als 1950.
Erstaunlich oder?
Wie kommt es aber, daß "alle Welt" davon spricht, daß durch den demografischen Wandel die gesetzliche Rente ihre Aufgabe in wenigen Jahren nicht mehr wird erfüllen können
und es deshalb angeraten ist, private Vorsorge zu treffen?
Für den Publizisten Müller ist die Antwort klar: dieser Eindruck ist absichtlich erzeugt worden,
um die Menschen in die Hände der privatwirtschaftlich organisierten Vorsorge-Einrichtungen, also die privaten Rentenversicherungen zu treiben. Und dieses Beispiel ist nur eines unter vielen. Sei es nun die Wirtschaftskrise, die Vorbereitung von Kriegen (auch in Europa) oder die Aufrechterhaltung eines bestimmten Geschichtsbildes: immer deckt Müller in seinem Buch "Meinungsmache" neoliberale Interessengruppen auf, die daran arbeiten, daß sich eine bestimmte Sicht auf die Dinge durchsetzt.
"Die neoliberale Ideologie erweist sich über weite Strecken als Instrument zur Bedienung privater Interessen zu Lasten der Allgemeinheit"
Als Motoren dieser neoliberalen Gehirnwäsche macht Müller Gruppen innerhalb der Gesellschaft aus, die teilweise verdeckt in Stiftungen oder "Initiativen" daran arbeiten, daß sich die stereotypen Formulierungen und Euphemismen durch ständige Wiederholungen aus dem Mund von Politikern, Wirtschaftsbossen und Journalisten verfestigen. Müller geht so weit, diese "Eliten" dem Verfassungsschutz anzuempfehlen, da sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung anarbeiten, indem sie gegen den Willen der Bevölkerung weitreichende gesellschaftliche Entscheidungen durchsetzen. An zahllosen Beispielen der neueren Geschichte stellt Müller die neoliberalen Statements den wirklichen gesellschaftlichen Entwicklungen gegenüber und belegt letztere mit aussagekräftigem Zahlenmaterial.
Es wundert kaum, daß Müller auch die neuen Medien nutzt, um mündigen Bürgern Informationen zu liefern, die jenseits des neoliberalen Einheitsbreies liegen. Er betreibt im Internet die Seite www.nachdenkseiten.de. Dort wirbt Müller für ein konzentrierteres Hinsehen und ein kritischeres Nachfragen, wenn z.B. Entwicklungen und Zustände von Journalisten, Politikern oder sonstigen Meinungsmachern als "gottgegeben" dargestellt werden.
Bei der Lektüre der zahllosen dort gelisteten und kommentierten Belege aus den Medien wird klar, daß schon Überschriften tendenziell ausfallen können. Als Träger der Internetseite hat Müller die "Initiative zur Verbesserung der Qualität politischer Meinungsbildung e.V." gegründet, deren erklärtes Ziel es ist, "einen Beitrag zur Verbreiterung des öffentlichen Meinungsspektrums" zu leisten und "die Qualität der Meinungsbildung zu steigern."
An seiner Expertise läßt Müller keinen Zweifel, hat er doch selbst in den 1960er Jahren als Mitarbeiter im Bundeswirtschaftsministeriums uns später in der Planungsabteilung im Bundeskanzleramts die Methoden der Meinungsmache genutzt.
Die Medien sind bei der Betrachtung der Mechanismen der Meinungsmache eine besonderen Betrachtung wert.
Wer als Bürger Medien nutzt, muss sich darüber klar sein, daß Medien ein Produkt sind, das an einem Markt verkauft werden will. Ein Verlagshaus letztendlich ist eine Fabrik, in der eine Zeitung produziert wird, die darauf angewiesen ist, vom Leser gekauft zu werden. Der Druck auf die Zeitungsverlage hat unter anderem dazu geführt, daß immer weniger Journalisten beschäftigt werden, die unter immer höherem Zeitdruck stehen. Zeit für Recherche bleibt da viel zu wenig.
Zeitungen leben nicht nur von den zahlenden Käufern, sondern auch von zahlenden Anzeigenkunden. Hat aber eine Redaktion in permanent angespannter wirtschaftlicher Situation die Freiheit, z.b. einen Mißstand aufzudecken, der einen Werbekunden evtl. vergraulen könnte? Das eherne Gesetz, daß die Trennung von redaktionellem Teil und Werbung fordert, wird wohl auf dem Papier eingehalten, zeigt aber seine Wirkung im Kopf des Redakteurs oder Herausgebers beim dauernden Abwägen.
Ein aktuelles Beispiel zeigt, daß solche Überlegungen nicht nur theoretischer Natur sind:
Nach Angaben von Campact, einer Aktionsplattform im Internet, die sich als Gegengewicht zu oben genannten "Eliten" der politischen Meinungsmache versteht, hat das Internetportal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung "Der Westen" es abgelehnt, ein Banner von Campact auf ihrer Seite zu schalten, mit der Begründung, man möchte keine Online-Inhalte veröffentlichen oder unterstützen, die Kritik an Eon oder Rüttgers üben.
Müller weist seinerseits mit einigen Beispielen eindrücklich auf die Verflechtung von Journalismus und Wirtschaft hin:
Das System der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hat es erlaubt, daß viele Journalisten, besonders im TV-Bereich, Firmeninhaber ihrer eigenen Produktionsfirmen sind. Sie sind also Journalisten und gleichzeitig Unternehmer. Albrecht Müller führt außerdem Beispiele auf, in denen prominente Personen auch der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender als Redner in privaten Firmen und Unternehmen auftreten und dafür haarsträubend hohe "Vergütungen" bekommen. So macht die Marketingstrategen man Gut-Wetter in den Medien: Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht.
Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Und Informationen über diese unglaublichen Zustände erreichen den Otto-Normal-Schauer/Leser kaum.
Immer weniger Jugendliche lesen eine Tageszeitung. Sie fühlen sich durch das Internet ausreichend informiert. Da gibt es schließlich (dank Wikipedia) auch alles umsonst, wie soll man ihnen dann die Notwendigkeit nahe bringen, für Informationen bezahlen zu müssen, oder ihnen etwa Rundfunkgebühren schmackhaft machen?
"Guter Journalismus ist Teuer"
Albrecht Müller kritisiert in diesem Zusammenhang, daß die Unabhängigkeit von Journalisten viel zu wenig thematisiert wird.. Abgesehen von ein paar Medienmagazinen zu nachtschlafender Zeit findet keine Selbstreflexion statt.
In Müllers Abhandlungen zur Wirtschaftspolitik wird allerdings auch klar, das Otto-Normal-Rezipient/in der Medien mehr denn je angewiesen ist auf Experten in den Reihen der Journalisten, die eine doppelte Kompetenz aufweisen: einerseits müssen sie in der Lage sein, die Entwicklungen, die sich in Kennzahlen widerspiegeln, deuten zu können, gleichzeitig sollten sie die Entwicklungen für die Rezipienten adäquat aufbereiten und handhabbar machen können.
Fazit: Müllers Enthüllungen sind lassen den/die Leser/in sehr nachdenklich zurück. Steht die Demokratie vor dem Ausverkauf? Eine Antwort werden die Bürgerinnen und Bürger selbst geben müssen. Das Buch jedenfalls ermutigt zum Nachfragen und Hinter-die-Kulissen-schauen. Dank der "neuen Medien" ist es den Interessierten leichter denn je, Informationen zu suchen und zu prüfen. An einem permanenten "update" seiner Medienkompetenz kommt der/die interessierte Bürger/in dabei nicht vorbei.